Kollektivgeschichte

Geschichte des Wanderbraukollektives „Spent Brewers Collective“

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können“ –  Nietzsche

[2013 – Vorgeschichte]

Das Wanderbraukollektiv Spent ist im Spätsommer 2013 im Keller des Friedrichshainer Hausprojektes „V36″ enstanden. Zuerst war Spent ein Hobbybrauerzirkel-Kellerprojekt von zwei Leuten, mit der vagen und wilden Idee geile Bierrezepte zu entwickeln und irgendwann eine kooperativ-genossenschaftlich-kollektiv aufgebaute Brauerei zu gründen. Die Idee von Spent entsprang dabei aber von Beginn an einer politischen Diskussion  eines Zusammenhangs von Leuten um solidarische ökonomische Alternativen zum Kapitalismus. An dieser Diskussion waren aber mehr als nur die beiden Gründer von Spent involviert. Bis dato gab es bundes- und europaweit noch kein einziges Kollektiv das Bier selbst produzierte mit dem ehrgeizigen, aber politisch längst überfälligen Ziel der Konzernsuppe in den selbstverwalteten Läden zu vertreiben. Jedenfalls wurde ab Herbst 2013 schonmal kräftig für eigene Partys Bier gebraut. Und noch mehr selbst gesoffen. Schon nach kurzer Zeit kam Pessi dazu. Es bildet sich ein kleiner beständiger Unterstützerkreis von Spent. So kristalisiert sich im Winter Spent als Kollektiv ohne Chef, mit einer Firma, die zu gleichen Teilen in der Belegschaftshand ist. Spent nimmt nun als erstes (deutschland- und europaweites) anarchistisches Braukollektiv die Arbeit auf und schraubt an den letzten Feineinstellungen für unser erstes Bier-Rezept auf unserer 30-Liter-Versuchsanlage, die aus Kochtöpfen und Glühweinkochern besteht. Im Frühjahr wollen wir das Red Oat Ale zum ersten mal am Südstern brauen und wir sind kaum noch zu bremsen vor Aufregung und Vorfreude. Wir diskutieren in dieser Zeit viel über solidarische Ökonomie und den Aufbau wirkmächtiger Gegenmacht zu kapitalistischen Normalvollzug – und wie diese ökonomisch fundiert werden kann. Spent beschließt sich in Zukunft in solidarökonomische Vernetzungen und Initiativen einzubringen, um eine Plattform für eine holistische (also ökonomisch, politisch, sozial fundierte) Form des kollektiven und widerständigen Lebens als Alternative zum Kapitalismus zusammen mit bestehenden und noch zu schaffenden widerständigen kollektiven Strukturen gemeinsam zu schaffen und weiterzuentwicklen.

[2014- Das erste richtige Jahr]

Zum 1. Januar legalisieren wir Spent und melden beim Gewerbeamt die SBC GbR – Spent Brewers Collective an. Ende Februar 2014 haben wir das erste mal 625 Liter Bier bei Schoppe Bräu Berlin am  Brauhaus Südstern eingebraut. Dieser Sud war Anfang April 2014 unser erstes Bier auf dem regulären Markt und erschien in der Steini-Flasche 0,33l („Mauererknolle“).  Als kaltgehopftes Red Ale mit Haferflocken, einer Kreuzung zwischen american IPA und irish Red Ale . Es gab etwa 800 Flaschen und einige Fäßer. Das Red Oat Ale kam an und wir entschlossen es nun dauerhaft zu produzieren.

Ab April organisieren wir uns im Rahmen des Union-Coop-Prozesses der Freien ArbeiterInnen Union (FAU). Die Idee der Union Coop ist – nebst der gewerkschaftlichen Sensibilisierung für Selbstausbeutung und deren Überwindung in Kollektiven – vor allem eine Plattform der Kooperation für Kollektive zu schaffen. Viele Ideen der Union Coop sind deckungsgleich mit dem was das politische Umfeld aus dem Spent sich gegründet hat diskutiert hat: Wie etwa ein gemeinsamer Fond, mit dem neue Kollektive bei ihrem Aufbau unterstützt werden können, aber auch die Entwicklung eines gemeinsamen Siegels, das definiert was überhaupt eine Kooperative oder ein Kollektiv ist, sowie die Schaffung eines Rahmens, der eine solidarische Debatte und einen praktischen Bezug aufeinander ermöglicht. Aber auch langfristige Utopien werden greifbar und plötzlich denkbar: Möglichkeiten der autonomen materiellen Selbstversorgung, des Aufbaus einer Tauschwirtschaft zwischen Kollektiven, die ohne Geld funktioniert oder zumindest im ersten Schritt weniger abhängig von Geld ist…

Anfang Mai ist der zweite und nächste Sud Red Oat Ale von etwa 550 Liter Red Oat Ale fertig, den wir komplett beim Braufest Berlin 2014 auf de RAW-Gelände in Friedrichshain ausgeschenkt haben.

Im Mai 2014 verlässt der Mitbegründer des Kollektives Dan das Braukollektiv. Der andere Mitbegründer, Sören bleibt zusammen mit Pessi. Jessica kommt vorübergehend dazu und Matze steigt gleichzeit ebenfalls voll ein. Im gleichen Monat bekommen wir die erste Lieferung der Punkrock Bernstein Pilsette und im Juni das Bloom’s Beer, Weizen-Wit und das Red Oat Ale aus dem Raekke Moelle Bryghus in Skjern.

Ebenfalls im Sommer brauen wir zusammen mit der Bierfabrik  zuerst 3 Hekto unseres Collaboration Brews, dem Maple Walnut Stout, ein und einige Wochen später 10 Hekto unseres 1312 Herbst Gruit.

Im August brauen wir knapp 28 Hekto Red Oat Ale beim Brewbaker Berlin im Brauhaus Luckenwalde. Der Sud wird lange reifen und bis in Anfang 2015 hinein verkauft, da die Abfüllung doch per Hand gemacht wird. Im gleichen Monat verlässt Jessi das Kollektiv und geht nach Baden-Würtemberg um eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin zu machen. Sie verspricht uns irgendwann wieder zu kommen. Hoffentlich.

Ebenfalls im Spätsommer brauen wir das Ginger Melon Breakfast Ale als Auftragssud von 650 Litern für Stefan Krüger von den Beergeeks beim Brauhaus Südstern ein.

Im September wird das Maple Walnut Stout, das wir in Mahrzahn gebraut haben im Hopfenreich in Kreuzberg zum ersten mal öffentlich mit leckerem Buffet angestochen.

Das 1312 Herbst Gruit wird beim Street-Food Event „Stadt, Land, Food“ am Lause in Xberg Anfang Oktober zum ersten mal ausgeschenkt und polarisiert nicht nur dort auf spannende Weise.

Das Red Oat Ale läuft am Südstern das Jahr über weiter. Ab Spätherbst belegen wir fast durchgehen 2 Lagertanks am Südern mit Red Oat Ale.

Im Herbst brauen wir nochmal 10 Hekto Maple Walnut Stout auf der neuen Anlage der Berliner Bierfabrik ein.

[2015- Das zweite Jahr]

Im Januar 2015 brauen wir das 1312 Sabotage Pils zum ersten mal am Südstern als Testsud mit knapp 700 Liter Bier für eine Hausparty ein. Wir haben das Rezept zuvor nur auf dem Papier entworfen und sind von dem Resultat als ersten Anlauf begeistert. Nur wenige Veränderungen und ab dem zweiten Sud steht das Rezept final.

Ebenfalls im Februar brauen wir das hochkomplexe Vanilla Tripel Gruit, dass Anfang Mai released wird. Mit 15,00 € UVP je o,33 Liter ist es soweit wie wir wissen das teuerste Bier Deutschlands in 2015 und das einzigste der über 100 Biere beim Berlin Craft Bier Fest, das ohne Hopfen gebraut ist. Im März mieten wir unsere ersten Geschäftsräume, eine Lagerhalle am Tempelhofer Ufer 22 in Kreuzberg an. Wir haben jetzt Ab-Hof-Verkauf und feste Öffnungszeiten.

Wir finden eine Brauerei in Sachsen in der wir das Pils nun zunnächst 2 mal auf 100 Hekto brauen und steigern noch im Sommer unsere Produktion 200 Hekto Doppelsude. Auch unser Red Oat Ale und das Bloom’s Beer brauen wir nun in 100 Hekto-Suden. Insgesamt können wir die reine verkaufte Biermenge von 10 Hekto je Monat im Jahr 2014 auf knapp 120 Hekto je Monat in 2015 erhöhen. Wir nehmen im Sommer am Berlin Craft Beer Fest und am Magdeburger Craft Bier Fest teil. Unser Wachstum bringt mit sich, dass wir knapp 40.000 € in Pfandkästen und KEG’s investieren müssen, eine Summe die sich für uns doch zunächst noch unerfahren hoch anfühlt… Ab Sommer nutzen wir zusätzliche Lagermöglichkeiten in Reinickendorf. Cornelia und Leo kommen ins Kollektiv dazu. Im Spätherbst stellen wir den Collaboration-Sud Maple Walnut Stout mit der Bierfabrik ein. Im Winter kaufen wir uns einen Sprinter und können endlich wirtschaftlich in andere Städte Bier liefern. Wir haben nun Zapfanlagen, die wir verleihen können, eine selbstgebaute Bar für Events ein chices Pavillion, zwei Autos und eine Lagerhalle voll mit Bier. Bestens vorbereitet also für 2016!